Das mittlere Format des Spiels
Die Kleine Tafel ist ein Raster aus drei Reihen und drei Spalten, also neun Karten. Reicher als eine Reihe oder ein Kreuz, ohne die Schwere der Großen Tafel mit 36 Karten.
Ihre Mechanik lässt sich in einem Gedanken fassen. Die Mittelkarte, auf Position 5, trägt den Kern der Lage, und die acht äußeren werden jeweils als Paar mit ihr gedeutet: das ist die Technik der Ausstrahlung. Das Raster ist nicht ein Stapel aus neun Botschaften, es ist eine zentrale Botschaft, aus acht Blickwinkeln beleuchtet. Drei Achsen legen sich anschließend darüber: die Reihen tragen die zeitliche Entwicklung, die Spalten parallele Aspekte, die Diagonalen das, was wirkt, ohne benannt zu sein.
Das grundlegende Prinzip bleibt das des ganzen Spiels: der Sinn entsteht aus der Verbindung benachbarter Karten, nie aus einer isolierten Karte. Hier hat eine Karte bis zu acht Nachbarn, und diese Dichte erzeugt die Feinheit des Formats.
Es ist auch die erste Legung, die eine weite Frage verträgt, ohne sich zu zerstreuen: man kann fragen „wie steht es um mein Berufsleben”. Nicht jedoch die absolut allgemeine Frage vom Typ „was bringt mir das Jahr”, die zur Großen Tafel gehört.
Das Raster und seine Achsen
Spalte 1 Spalte 2 Spalte 3
+---------+ +---------+ +---------+
| | | | | |
| (1) | | (2) | | (3) | Reihe 1 : Vergangenheit
| | | | | |
+---------+ +---------+ +---------+
+---------+ +---------+ +---------+
| | | *** | | |
| (4) | | (5) | | (6) | Reihe 2 : Gegenwart
| | | *** | | |
+---------+ +---------+ +---------+
+---------+ +---------+ +---------+
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| (7) | | (8) | | (9) | Reihe 3 : Zukunft
| | | | | |
+---------+ +---------+ +---------+
Absteigende Diagonale : 1 - 5 - 9
Aufsteigende Diagonale : 7 - 5 - 3
Beide laufen durch die Mittelkarte (5).
Gefüllt wird das Raster, wie man schreibt: Reihe für Reihe, von links nach rechts und von oben nach unten, in derselben Ordnung wie die Große Tafel. Die neun Karten werden in gleichmäßigem Abstand gelegt, denn jede Unregelmäßigkeit im Abstand erzeugt falsche Zuordnungen.
Die neun Positionen
Die Mittelkarte gehört als einzige beiden Diagonalen, der mittleren Reihe und der mittleren Spalte an. Von vier Achsen aus vier durchzogen, bringt sie die ganze Tafel zum Kippen, wenn sie falsch bestimmt wird. Die äußeren Karten bestimmen sich zuerst über ihre Richtung von der Mitte aus:
| Position | Richtung | Funktion |
|---|---|---|
| 1 | Oben links | Alter Ursprung, Wurzel des Problems |
| 2 | Oben | Was beherrscht, was bewusst oder sichtbar ist |
| 3 | Oben rechts | Was von oben auf die Zukunft zukommt, Druck oder anstehende Gelegenheit |
| 4 | Links | Die unmittelbare Vergangenheit, was gerade geschehen ist |
| 5 | Mitte | Der Kern der Lage, der zentrale Sachverhalt |
| 6 | Rechts | Die unmittelbare Zukunft, was sich einrichtet |
| 7 | Unten links | Was in der Vergangenheit vergraben und unbearbeitet ist |
| 8 | Unten | Was erlitten wird oder im Untergrund trägt |
| 9 | Unten rechts | Ergebnis, was bleibt, wenn alles gelaufen ist |
Die Reihen werden jeweils als eigenständige Dreierreihe gedeutet, mit ihrer eigenen Kernkarte in der Mitte, also 2, 5 und 8. Die Spalten stellen das bereits Erworbene (Spalte 1) dem gegenüber, was kommt (Spalte 3), wobei die Spalte 2 die des Bewusstseins ist, vom Sichtbaren oben bis zum Erlittenen unten. Die Diagonalen schließlich beschreiben nie ausgesprochene Tatsachen, sondern das, was wirkt, ohne benannt zu sein: ein Unausgesprochenes, ein wirklicher Beweggrund, ein Zwang, den niemand ausspricht.
Die Deutung durchführen
Die Reihenfolge der Schritte zählt: die Diagonalen vor der Mitte zu deuten erzeugt spekulative Deutungen.
- Die Mitte bestimmen. Karte 5 benennen. Das ist die Antwort in einem Wort.
- Ausstrahlen lassen. Die acht Paare aus äußerer Karte plus Mitte bilden, wobei die linke oder die obere Karte das Substantiv ist und die andere die nähere Bestimmung. Anschließend behält man nur die zwei oder drei sprechendsten Paare.
- Die drei Reihen deuten, beginnend mit der Reihe 2. Jede Reihe ergibt einen Satz, das Ganze ergibt eine Erzählung in drei Zeiten.
- Die drei Spalten deuten, beginnend mit der Spalte 2: was die Person zeigt, was tatsächlich ist, was sie erleidet, ohne es zu sehen.
- Die Diagonalen zuletzt deuten und nur das behalten, was dem Vorherigen widerspricht oder es abwandelt. Eine Diagonale, die bestätigt, bringt nichts.
- In höchstens drei Zügen verschmelzen: der zentrale Sachverhalt, die zeitliche Bewegung, die verborgene Abwandlung. Das eigene Risiko dieses Formats ist die Verwässerung.
Erscheint Der Herr (28) oder Die Dame (29), verortet ihre Distanz zur Mitte die fragende Person: in der Mitte ist sie das Thema, angrenzend ist sie beteiligt, in der Ecke ist sie Zuschauerin ihrer eigenen Lage.
Beispiel: eine berufliche Lage
Gestellte Frage: „Wie steht es um mein Berufsleben?”
Die Legung ergibt, Reihe für Reihe:
| Spalte 1 | Spalte 2 | Spalte 3 | |
|---|---|---|---|
| Reihe 1 | Die Wolken (6) | Der Bär (15) | Der Weg (22) |
| Reihe 2 | Der Berg (21) | Der Fuchs (14) | Der Schlüssel (33) |
| Reihe 3 | Das Kreuz (36) | Die Fische (34) | Der Anker (35) |
Die Mitte. Der Fuchs (14): der Beruf und das Geschick, das er verlangt. Die Antwort in einem Wort ist also die Arbeit selbst, nicht das Geld und nicht die Beziehungen.
Die Ausstrahlung. Acht Paare bilden sich mit der Mitte, drei heben sich ab. Die Wolken + Der Fuchs: eine gepflegte Unklarheit, eine trübe Information, an der alten Wurzel des Problems. Der Bär + Der Fuchs: eine vorgesetzte Stelle, eine Autorität in der Arbeit, in beherrschender und sichtbarer Position. Der Fuchs + Der Schlüssel: eine berufliche Gelegenheit, die sich öffnet. Die fünf anderen Paare fügen hier nichts Entscheidendes hinzu, man lässt sie beiseite.
Die Reihen. Reihe 2, die Gegenwart: Der Berg (21) + Der Fuchs benennt eine berufliche Blockade, und Der Fuchs + Der Schlüssel öffnet darauf eine Tür. Reihe 1, das Davor: eine unklare Zone, eine Autorität, die beherrscht, eine getroffene Wahl. Reihe 3, das Danach: eine Last, die zu tragen ist, die Frage dessen, was gezählt wird, eine Beständigkeit am Ende.
Die Spalten. Die Spalte 1, das Erworbene, reiht Wolken, Berg und Kreuz: drei schwere Karten, das Gewicht liegt auf der Seite des Bestehenden. Die Spalte 3, das Kommende, reiht Weg, Schlüssel und Anker. Der Gegensatz zwischen beiden ist der klarste Punkt der Tafel. Die Spalte 2 von oben nach unten gedeutet ergibt den nützlichen Abstand: was beherrscht, ist eine Hierarchie, was auf dem Spiel steht, ist der Beruf, was erlitten wird, ohne gesehen zu werden, ist die Frage des Einkommens.
Die Diagonalen. Absteigend, Wolken, dann Fuchs, dann Anker: der tiefe Faden geht von einer nie benannten Unklarheit aus und hält am Ende. Aufsteigend, Das Kreuz, dann Der Fuchs, dann Der Weg: die im Beruf getragene Last steigt auf und kippt in eine Entscheidung über die Laufbahn. Diese Diagonale setzt die Entscheidung dorthin, wo die Reihen sie nicht zeigten.
Verschmelzung in drei Zügen. Der Beruf steht im Zentrum und ist blockiert, unter einer Autorität, die beherrscht. Diese Blockade kommt aus einer alten unklaren Zone und läuft auf eine Öffnung zu, mit einer Beständigkeit am Ende. Die verborgene Abwandlung ist, dass die angesammelte Last auf eine Entscheidung über die Laufbahn drängt, die noch niemand ausspricht.
Was diese Tafel nicht sagt: weder Arbeitgeber noch Zeitpunkt noch Betrag. Alle obigen Deutungen sind Kombinationen, keine ist der Sinn einer für sich genommenen Karte.
Das reichste Format, das auf ein Telefon passt
Eine Große Tafel zählt 36 Karten. Auf einem im Hochformat gehaltenen Telefon erzwingt das ein Scrollen, ein Drehen oder Miniaturen, die zu klein zum Erkennen sind. Eine Tafel funktioniert aber nur, wenn man sie als Ganzes auf einmal sieht: Spalten, Diagonalen und Distanzen zur Mitte verschwinden, sobald man nur einen Ausschnitt sieht.
Neun Karten passen. Ein Raster 3x3 füllt den nutzbaren Bereich eines Bildschirms im Hochformat ohne Scrollen und ohne Drehen. Das ist die technisch praktikable Obergrenze auf dem Mobilgerät, also das reichste unter diesen Bedingungen verfügbare Format. Der Preis dafür ist, dass die Illustrationen klein sind und ein Vergrößern Karte für Karte nötig wird.
Die Große Tafel bleibt das Referenzformat für alle, die einen Tisch und Zeit haben: ihre Methode und ihr System der Häuser sind auf ihrer eigenen Seite dokumentiert.
Varianten der Tradition
Ein Teil der deutschen Schule sieht im Raster 3x3 keine eigenständige Struktur, sondern eine auf drei Ränge gefaltete Neunerreihe. Man deutet die neun Karten dann als fortlaufenden Satz, und das Raster kommt erst danach für Spalten und Diagonalen ins Spiel. Die so gewonnenen Deutungen sind erzählender und weniger zergliedernd.
Unmittelbare Folge: die Ausstrahlung ist gut bezeugt, aber nicht allgemein verbreitet, denn wer das Raster als gefaltete Reihe deutet, verwendet sie nicht. Sie ist also als vorherrschende Methode der zergliedernden Deutung darzustellen, nicht als die Methode der Kleinen Tafel.
Wie beim Kreuz aus 5 Karten setzen manche Schulen die Mittelkarte, indem sie den Herrn oder die Dame aus dem Stapel nehmen, was dem Grundsatz widerspricht, dass die 36 Karten ein vollständiges Vokabular bilden; die vorherrschende Praxis bleibt die gezogene Mitte. Eine Minderheit dreht schließlich die zeitlichen Positionen um, gegen die Richtung, in der gefüllt wird.
Der allgemeine Rahmen des Spiels und die Übersicht der 36 Karten stehen auf der Mutterseite des Moduls.