Was das Kreuz der Reihe hinzufügt
Das Kreuz beantwortet das häufigste Bedürfnis nach der Dreierlegung: zu wissen, was eine Lage antreibt und was sie bremst. Die Reihe entfaltet eine Chronologie, sie sagt, woher eine Sache kommt und worauf sie zuläuft, aber nichts über das Kräfteverhältnis. Das Kreuz führt eine zweite Achse ein: die Waagerechte bleibt die Zeit, von links nach rechts wie im ganzen Lenormand, die Senkrechte wird zum Gewicht.
Eine Vorbemerkung für die deutschsprachige Praxis, in der das Wort Kreuzlegung meist das Kleine Kreuz aus vier Karten meint: diese Seite beschreibt zuerst die Form mit fünf Karten und behandelt die Vierkartenform weiter unten in einem eigenen Abschnitt, ohne sie zur Variante zu erklären.
Das grundlegende Prinzip ändert sich nicht. Der Sinn entsteht aus der Verbindung benachbarter Karten, nie aus einer isolierten Karte. In einem Kreuz nimmt das eine sehr konkrete Form an: jede äußere Karte wird als Paar mit der mittleren gedeutet, nie als eigenständiger Kommentar. Eine Karte in der oberen Position ist nicht „das Hindernis”, sie ist das Hindernis genau dieses Themas.
Dieses Format setzt voraus, dass es etwas abzuwägen gibt: ein Vorhaben, das nicht vorankommt, eine zwiespältige Beziehung. Bei einer rein sachlichen Frage bleibt die Dreierlegung passender.
Das Schema der fünf Positionen
+-------+
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| (4) | was lastet, Hindernisse
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+-------+
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+-------+ +-------+ +-------+
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| (2) |-----| (1) |-----| (3) |
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+-------+ +-------+ +-------+
Vergangenheit THEMA Zukunft
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+-------+
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| (5) | Halt, Ressourcen
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+-------+
Karte 1, in der Mitte: die fragende Person oder das Thema. Wer oder was im Zentrum der Frage steht. Alle anderen Karten werden auf sie bezogen gedeutet.
Karte 2, links: die Vergangenheit, das Davor. Was zur gegenwärtigen Lage geführt hat, die bereits getroffenen Entscheidungen, die feststehenden Tatsachen.
Karte 3, rechts: die Zukunft, das Danach. Worauf die Lage in der gegenwärtigen Bewegung zuläuft. Eine beobachtete Richtung, kein Urteilsspruch.
Karte 4, oben: die Hindernisse, was lastet. Was von oben her einengt oder beherrscht, äußere wie innere Zwänge, und worauf die fragende Person wenig unmittelbaren Zugriff hat.
Karte 5, unten: der Halt, die Ressourcen. Worauf sie sich wirklich stützen kann: Fähigkeiten, verlässliche Personen, verfügbare Mittel. Die untere Position trägt den Gedanken des Sockels.
Die Legereihenfolge liegt fest: zuerst die Mitte, dann links, rechts, oben, unten. Man setzt das Thema, bevor man die Achsen entfaltet, sonst haben die anderen Karten keinen Bezug.
Die Deutung in Paaren ist Pflicht
Das ist es, was ein gelungenes Lenormand-Kreuz von einer bloßen Liste aus fünf Kommentaren trennt.
| Paar | Leserichtung | Frage, die es beantwortet |
|---|---|---|
| 2 + 1 | Die Vergangenheit bestimmt das Thema näher | Woher kommt die Person in dieser Sache? |
| 1 + 3 | Das Thema, durch die Zukunft näher bestimmt | Wohin geht sie? |
| 4 + 1 | Das Hindernis bestimmt das Thema näher | Was fällt ihr entgegen? |
| 1 + 5 | Das Thema, durch die Ressource näher bestimmt | Woran hält sie sich aufrecht? |
Die gewohnte Grammatik gilt: die linke oder die obere Karte ist das Substantiv, die andere die nähere Bestimmung. Die vollständige Mechanik ist auf der Seite Deutung in Kombinationen ausgeführt.
Ein fünfter Arbeitsgang, der nur zu dieser Legung gehört, kommt danach: Karte 4 gegen Karte 5 abwägen. Es sind die beiden einzigen Karten des Kreuzes, die einander frontal gegenüberstehen, und die Frage ist einfach: reicht die Ressource, um das Hindernis aufzufangen? Drei Fälle treten auf.
- Die Ressource ist konkreter als das Hindernis: die Lage löst sich mit den vorhandenen Mitteln.
- Das Hindernis wiegt schwerer: es braucht eine Stütze außerhalb der Legung.
- Beide gehören demselben Register an: Schwierigkeit und Stütze spielen auf demselben Feld, ein häufiger Fall bei Lagen, die sich wiederholen.
Beispiel: ein Umzugsvorhaben, das nicht vorankommt
Gestellte Frage: „Warum stockt dieses Umzugsvorhaben?”
Gezogene Karten, in der Legereihenfolge: Mitte Das Haus (4), links Das Schiff (3), rechts Der Schlüssel (33), oben Die Mäuse (23), unten Der Anker (35).
Das Thema. Das Haus in der Mitte: der Haushalt selbst, der Ort, an dem man lebt, und der Kreis, der ihn bewohnt. Die Legung bestätigt, dass die Frage das Häusliche betrifft und nicht das Geld oder die Arbeit.
Die waagerechte Achse. Das Schiff + Das Haus: ein Umzug, ein Haushalt, der sich verlagert. Das Davor ist ein bereits gefasstes Vorhaben des Aufbruchs, nicht bloß ein Wunsch. Das Haus + Der Schlüssel: der Zugang zur Wohnung, eine Sache des Haushalts, die sich löst.
Die senkrechte Achse. Die Mäuse + Das Haus: ein Haushalt, der sich abnutzt, Lasten, die drücken. Was darüber steht, sind Kosten und ein langsamer Verschleiß, keine plötzliche Blockade. Das Haus + Der Anker: ein fester Haushalt, eine häusliche Verankerung.
4 gegen 5 abwägen. Die Mäuse und der Anker gehören demselben Register an, dem der Dauer. Die einen nagen langsam, der andere hält über die Zeit. Weder Hindernis noch Ressource sind plötzlich: das Vorhaben entscheidet sich nicht an einem Ereignis, sondern an Ausdauer. Das ist der Fall der Lagen, die sich wiederholen, in denen die Lösung von derselben Art ist wie die Schwierigkeit.
Verschmelzung. Der Haushalt, hervorgegangen aus einem bereits gefassten Vorhaben des Aufbruchs und auf einen Zugang zulaufend, der sich löst, wird von Lasten angenagt und von seiner eigenen Fähigkeit zu dauern getragen.
Was das Kreuz nicht sagt: weder Zeitpunkt noch Adresse. Es benennt ein Kräfteverhältnis. Der Schlüssel bezeichnet eine Öffnung, er verspricht sie nicht.
Unterschied der Traditionen: 4 Karten oder 5
Die meisten französischsprachigen Quellen übergehen diesen Punkt und stellen das Kreuz aus 5 Karten als das einzige bestehende dar. Das ist es nicht.
Das deutsche Kleine Kreuz, aus 4 Karten. Vier Karten im Kreuz oder in einem engen Quadrat, ohne Mittelkarte. Es wird kein Thema gesetzt: die vier Karten bilden einen Satz aus vier Wörtern, in Paaren gedeutet, oben mit unten und links mit rechts, und dann verschmolzen. Das ist die ältere Form, die der Dondorf-Schule am nächsten steht, die dieses Modul als Referenz wählt, und die mit der Grammatik des Spiels stimmigste: ein Satz hat keine Mitte, er hat eine Reihenfolge. Wer im deutschsprachigen Raum Kreuzlegung sagt, meint in aller Regel diese Form.
Das französische Kreuz, aus 5 Karten. Fünf Karten, die mittlere trägt die fragende Person oder das Thema. Die Struktur ist der Kreuzlegung des Tarot de Marseille nachgebildet, das in Frankreich stark verbreitet ist und in dem die fünfte Karte eine zusammenfassende Rolle spielt. Sie führt eine sinntragende zentrale Position ein, die die deutsche Tradition nicht kennt.
Was sich sagen lässt, ohne zu entscheiden: die Fassung mit 5 Karten ist wahrscheinlich eine spätere Übernahme, was sie weder zu einem Fehler noch zu einer Erfindung macht, sondern zu einer nationalen Anpassung, die tatsächlich praktiziert und dokumentiert ist. Die Fassung mit 4 Karten ist älter und der Mechanik des Spiels treuer. Die Wahl gehört zu der Tradition, in der man arbeitet, nicht in den Bereich der Richtigstellung.
Praktische Folge: nie ein Lenormand-Kreuz vorstellen, ohne anzugeben, wie viele Karten es zählt und welcher Tradition es angehört. Eine deutschsprachige und eine französischsprachige Person sehen unter demselben Namen nicht dieselbe Legung. Für das Kreuz aus 5 Karten kommt eine Feinheit hinzu: die Mittelkarte ist dort keine Zusammenfassung, sie ist ein Thema, und deshalb wird sie zuerst gelegt und nicht zuletzt.
Gesetzte oder gezogene Mitte
Die gesetzte Mitte besteht darin, den Herrn (28) oder die Dame (29) aus dem Stapel zu nehmen und in die Mitte zu legen, wobei die Legung dann 4 Karten aus 35 zieht. Die Verankerung der fragenden Person ist ausdrücklich, aber die Personenkarte kann nirgendwo sonst mehr auftauchen, was die Deutung ärmer macht.
Die gezogene Mitte nimmt die 5 Karten aus dem vollständigen Stapel. Die Mittelkarte beschreibt den tatsächlichen Stand der fragenden Person in der Sache, auf die Gefahr hin, mehrdeutig zu sein. Das ist die vorherrschende Praxis, denn eine Karte herauszunehmen widerspricht dem Grundsatz, dass die 36 Karten ein vollständiges Vokabular bilden. Erscheint der Herr oder die Dame dann am Rand, bezeichnet die Position eine dritte Person und die Rolle, die sie spielt: oben lastet sie, unten trägt sie, links gehört sie zur Vergangenheit, rechts kommt sie hinzu.
Eine Minderheit französischsprachiger Quellen dreht die senkrechte Achse um, Hilfen oben und Hindernisse unten, was der räumlichen Anschauung des Spiels widerspricht, in der wiegt, was überragt.
Für den weiteren Weg
Bei einer einfachen Chronologie zurück zu der Dreierlegung. Bei einer vielschichtigen Lage weiter zur Kleinen Tafel 3x3. Der allgemeine Rahmen des Spiels und die Liste der 36 Karten stehen auf der Mutterseite des Moduls.